Gefördert durch:

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege gefördert.


"Mit dem Sterben leben"

Prof. Claudia Bausewein, PhD MSc
Gregor Linnemann,
Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V., Landesvertretung Bayern

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr -
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur;
doch mit dem Tod der anderen muss man leben

(Mascha Kaleko)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Hospiz- und Palliativbetreuung werden Patienten und ihre Angehörigen nicht voneinander getrennt betrachtet – wir sehen sie als eine Einheit („unit of care“). Beim diesjährigen Bayerischen Hospiz- und Palliativtag wollen wir uns besonders den An- und Zugehörigen widmen. In ihrer Doppelrolle als Betroffene und pflegende Betreuer sind sie häufig ganz besonderen Belastungen ausgesetzt, die auf den ersten Blick nicht immer offensichtlich sind. Die Angehörigen müssen mit dem Sterben und dem Tod eines nahen Menschen weiterleben und können sich dies vielleicht gar nicht vorstellen. Viele leiden oft mehr daran, zurückzubleiben, als den geliebten Menschen zu verlieren, wie es Mascha Kaleko so treffend in ihrem Gedicht beschreibt. 

In Plenarvorträgen und Workshops werden die unterschiedlichen Perspektiven der Betreuung von Angehörigen beleuchtet. Wie können Familien angesichts existentieller Ausnahmesituationen gut unterstützt werden? 

Besonders gefordert werden wir Behandelnden, Pflegenden und professionell Begleitenden dann, wenn das Erlebte die Ebene des „Alltags“ verlässt und die Berührung stärker wird. Wenn Tod und Abschied näher kommen – und die Grenzen der vermeintlich professionellen Distanz überschreiten. Wenn wir selbst nur noch Mensch sind. Wie geht es uns, wenn kleine Kinder zurückbleiben oder Eltern von ihren sterbenden erwachsenen Kindern Abschied nehmen? Oder wenn wir selbst zu Hinterbliebenen werden. Oder wir unsere sterbenden Kollegen begleiten? 

Der Bayerische Hospiztag 2016 nimmt sich dieser Themen und Fragen an. Sie sind eingeladen und willkommen, Erfahrungen einzubringen, Antworten zu finden und weitere Fragen zu stellen. 

Wir hoffen, dass der Bayerische Hospiz- und Palliativtag ein Tag der Begegnung und des Austauschs wird – für die Akteure unterschiedlicher Disziplinen, für Ehrenamtliche und Professionelle. Und uns als Menschen weiter ermutigt, mit dem Sterben der anderen zu leben. 

Wir freuen uns, Sie in Kempten zu begrüßen. 

 

Claudia Bausewein & Gregor Linnemann
Sprecher der DGP Landesvertretung Bayern

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